Roman Lipski
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Biographie / Ausstellungen
Das zentrale Element im künstlerischen Schaffen Roman Lipskis ist die Landschaft. Ihr liegt jedoch kein narrativer Kontext zugrunde. Die in Acryl gehaltenen Arbeiten transponieren Elemente wie Zeit- und Ortlosigkeit, Stillstand und Monumentalität. Lipskis Malerei bewegt sich auf metaphysischer Ebene. Natur und architektonische Elemente dienen ihm als Symbole, um seine Empfindungen über die Gefühlsebene in das Medium der Malerei zu übertragen. Auch wenn ein bestimmter Ort oder eine Fotografie als Ausgangspunkt dienen, sind sie nur der Auslöser für die Entstehung des Bildes. So sind die zahlreichen Schnappschüsse, die Roman Lipski mit seiner Digitalkamera macht, nur eine Stütze, um Stimmungen festzuhalten. Oftmals reicht ein Dutzend auf die Schnelle geschossener Bilder zur Anregung für ein halbes Jahr Arbeit. Wie der Künstler selbst sagt, fühlt er die Atmosphäre und das künstlerische Klima im Objektiv der Kamera und versucht diese in einem langwierigen Schaffensprozess auf die Leinwand zu bringen. Während der Arbeit verbinden sich dabei Momente von reinem Handwerk und Malerei der inneren Stimmung, wobei die Farbe zum zentralen Bedeutungsträger wird.
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In den neuesten Arbeiten Lipskis erhält die Farbpalette eine weitere Steigerung. Nun dominieren wieder grelle Töne. Dies zeigt sich auch in der Serie der dynamischen Wolkenformationen aus dem Jahre 2010, in welcher mal in intensivem Orange, dann wieder in leuchtenden Grün- oder gedämpften Rotabstufungen der Blick auf ein kleines Stück Himmel gerichtet ist. Zunehmend dominiert der komprimierte Bildausschnitt mit einem einzelnen Naturfragment oder einsamen Haus im Wald. Immer wird die Komposition durch ein verwirrendes Element bestimmt. Entweder sind es die Bäume, die auf den Kopf gestellt sind oder eine Gitterstruktur versperrt den Blick auf die visualisierte Gedankenlandschaft und schafft somit eine Grenze zwischen flächigem Vordergrund und räumlicher Tiefe des Hintergrunds, zwischen menschlichem Relikt und natürlichem Element, was eine emotionale und fast surrealistische Spannung verursacht. Deutlich wird, dass es sich um eine Phantasiewelt und keine naturgetreue Widergabe handelt, die neben ihrer Schönheit oft auch ein Gefühl der Beklemmung vermittelt, das sich durch die verschiedenen Bewusstseinsschichten den Weg an die Oberfläche sucht.
Roman Lipski wird mit verschiedenen Malern aus der Geschichte der Kunst verglichen, zahlreiche und immer wieder neue Verbindungen können entdeckt werden. Dabei dienen auch seine polnischen Wurzeln als Anknüpfungspunkt für eine künstlerische Einordnung. Zwar lassen sich die gemalten Landschaften in keinen spezifischen topographischen Kontext einfügen und der Maler lässt den Bedeutungshorizont durch die fehlenden Titel offen. Dennoch scheint er oft und vielleicht am stärksten bei den Dünenlandschaften - mit seinen Gefühlen in die Orte seiner polnischen, an der Ostseeküste gelegenen Heimat zurückzukehren. Allerdings verarbeitet Lipski ohne Wehmut, ohne Sehnsucht nach Rückkehr, sein Erstaunen über den Zauber des nördlichen Polens, das mancherorts durch die Hässlichkeit der zerstörten industriellen und architektonischen Elemente verkommen ist und vielleicht gerade dadurch fasziniert. Hiermit ist Lipski in der Tradition der polnischen, zeitgenössischen Kultur zu sehen, in der die Suche nach der langsam verschwindenden postkommunistischen Landschaft einen immer wieder kehrenden Topos in den Arbeiten von Dichtern, Prosaisten und bildenden Künstlern darstellt. Auch wenn schwer zu sagen ist, ob der in Berlin verwurzelte Lipski der jungen Generation der polnischen Malerei zuzurechnen ist, die seit der Jahrtausendwende den Kunstmarkt erobert und von der er sich auch eher distanziert, so teilt er mit ihr doch das visuelle Gedächtnis und die Wurzeln seiner Identität.
Es scheint folglich plausibel, dass Kritiker in Lipski auch die Tradition der polnischen, ins 19. Jahrhundert zurückreichenden Landschaftsmalerei sehen. Besonders der Vergleich zum polnischen Symbolisten Jacek Malczewski wird oft gezogen. Dessen visionär-symbolistische Ansichten von sich türmenden Wolkenformationen, sanften Anhöhen und Abhängen mit dem Kontrast starker Farben und harmonischer Pastelltöne erlauben es, Parallelen zu einigen von Lipskis Kompositionen zu ziehen.
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Nicht nur konnte Lipski schon bei seiner Tätigkeit als Ausstellungsbauer im Berliner Guggenheim Museum und im Hamburger Bahnhof die moderne US-amerikanische Malerei für sich studieren. Mittlerweile ist er selbst in zahlreichen Sammlungen in den Vereinigten Staaten vertreten und bereiste diese mehrmals, wobei er auch in der dortigen Provinz zur eigenen nordöstlichen Heimat Bezüge entdecken konnte. Lipskis Taktik, durch den gezielten Lichteinsatz den Orten ihre mystisch anmutenden Formen zu verleihen und sie dabei in eine unwirkliche Atmosphäre des Stillstands zu tauchen, erinnert vielleicht auch deshalb an die Werke des Malers Edward Hopper. Dieser versuchte bereits in den 1930er Jahren in der Darstellung der US-amerikanischen Provinz die ihr eigene Stimmung der Stille und Verlassenheit aufzufangen. Hierfür bediente dich Hopper in seinen wie ausgestorben wirkenden Bildern, in denen die wenigen vorkommenden Figuren wie Statisten agieren, klaren räumlichen Kompositionen und einer unwirklich scharfen Lichtführung.


The central element in Roman Lipski's art is the landscape. It is not grounded in a narrative context, however; the works, painted in acrylic, transpose such elements as time- and placelessness, stasis and monumentality. Lipski's painting works on the metaphorical level. Nature and architectural elements serve him as symbols for transferring his feelings to the medium of painting. Even if a certain location, or a certain photograph, should serve as the inspiration for a painting, they are nothing more than the starting point. Thus, the myriad of snapshots Roman Lipski takes on his digital camera are merely a tool for capturing moods. Often, a dozen images shot on the quick are enough to inspire him to half a year's work. As the artist himself states, he feels the atmosphere and the artistic climate in the lens of the camera and attempts to transfer it to the scaffold via a long and arduous creative process. While working aspects of pure craft and painting of mood are intertwined, where colour becomes the central bearer of meaning.
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In Lipski's most recent works, the colour palette is enhanced even further, allowing brighter tones to dominate. This can be seen in his series of dynamic cloud formations from the year 2010, in which a small piece of sky is explored now in intense orange, now in shades of glowing green or muted red. Increasingly, compressed sections displaying a single fragment of nature, or a lonely house in the woods, come to dominate. The compositions are always defined by an element of confusion: either it is the trees turned upside down, or a lattice structure that obstructs the view of the visualised landscape of thought, thus creating a border between the planar foreground and the spatial depth of the background, between human relic and natural element, which creates an emotional, almost surrealistic tension. It becomes apparent that we are not looking at a true-to-life representation but at a fantasy world, which along with its beauty often communicates a feeling of oppression that seeks its way to the surface through the different layers of consciousness.
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Not only was Lipski able to study modern American painting while constructing exhibitions at Berlin's Guggenheim Museum and Hamburger Bahnhof nowadays, he himself is represented in numerous collections all over the United States. He has travelled there a number of times, discovering similarities in the American provinces to his own northeastern country of origin. This might also be why Lipski's tactic of specifically using light in order to lend places their mystical forms, to plunge them into an unreal and static atmosphere, is reminiscent of the works of Edward Hopper. The latter tried, as early as the 1930s, to depict the American provinces while capturing their own particular mood of silence and forlornness. To this end, Hopper used clear spatial compositions and lighting heightened to the point of surreality in paintings that appear devoid of life, and in which the very few characters that appear look like uninvolved extras. ...

Anna Baumgartner, Berlin


Biographie
2004 Preisträger des Verbands der Bildenden Künste, Polen (ZPAP), Szczecin, Polen
1989 Emigration nach West Berlin
lebt und arbeitet in Berlin
1969 geboren in Nowy Dwor Gdanski, Polen
Ausstellungen
Arte Giani, Frankfurt, "Malerei"
2012 National Museum, Szczecin, Polen: "The Marx Collection"
Colby Museum of Art Mayflower Hill, Waterville, ME USA: "Selections from the Collection. Interior Visions."
"Berlino come New York" (mit Stefan Hoenerloh und Andrea Chiesi), Galleria Rubin, Mailand
Polnisches Institut, Düsseldorf: "Roman Lipski. Malerei"
2011 Atlas Sztuki, Lodz, Polen: "The Marx Collection" (G)
BWA, Bydgoszsz, Polen: "Die neuen Tendenzen in der polnischen Malerei" (G)
Künstlerhaus Bethanien, Berlin: "Polish" Contemporary Art from Poland" (G)
Museum of Fine Arts, Boston, USA: "The Changing Soil. contemporary Landscape Painting" (G)
ARTE GIANI, Frankfurt: "Malerei" (E, K)
Atlas Sztuki, Lodz, Polen: "Roman Lipski" (E, K)
Galeria Stefan Szydlowski, Lodz, Polen (E)
Kunstraum ARS, Wien, Österreich (E)

2010 Atlas Sztuki, Lodz, Polen (E)
The National Art Museum of China, Beijing: "Beijing Biennale" (G)
Nagoya Boston Museum of Fine Arts, Nagoya, Japan: "Changing Soil" (G)
Centro Cultural Andratx, Mallora, Spanien: "Art Foundation Mallora (AFM). Recent Acquisitions" (G)
Polnisches Institut Berlin, Berlin: "Polnische Malerei aus der Sammlung Marx" (G)
2009 Galerie Birgit Ostermeier, Berlin (E, K)
Kunstverein Lippe - Lippische Gesellschaft für Kunst, Detmold (E)
Märkisches Museum und Ephraim Palais, Berlin: "Wir Berliner" (G)
2008 Polnisches Institut Berlin, Berlin (E)
Galerie Birgit Ostermeier, Berlin (E)
Centro Cultural Andratx, Mallorca: "Supernatural" (G)
Artnews Projects, Berlin: "2041 - Unknown Works Collected by Erich Marx" (G)
2007 National Museum Szczecin, Polen/ Latvian National Museum of Art, Riga: "A Poisoned Source - Polish Contemporary Art in a Post-Romantic Landscape" (G)
Elgiz Museum, Istanbul, Türkei: "Another Selection" (G)
2006 GCK, Katowice, Polen: "Galeria Sector" (G)
2005 Galeria Muz 13, Szczecin, Polen (E)
Galerie Neurotitan, Berlin: "Die Verdammten im Haus Schwarzenberg" (G)
National Museum, Szczecin, Polen: "New Acquisitions" (G)
2004 Zamek Ksiazat, Pomorskich, Szczecin, Polen: "XX Festival of contemporary painting of Poland" (G)
Berlinische Galerie, Berlin: "Hotel Berlin" (G)
 (E)=Einzelausstellung
(G)=Gruppenausstellung
(K)=Katalog

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